Amor librorum nos unit


Nach der Bücherlust ist vor der Bücherlust

Ein großes Dankeschön an alle, die mitgeholfen haben die erste Veanstaltung der der Messe in Berlin zu einer respektabelen Schau des Antiquariats in Deutschland und den Nachbarländern zu machen. Viele haben enormen Aufwand getrieben um dabei zu sein. Leider hatten wir, der Pandemie geschuldet, auch mehrere  Corona- bedingte kurzfristige Absagen zu beklagen. Besonders den Kollegen Peter Truppe und Massimo Caputi wünschen wir gute Gesundheit und freuen uns auf Ihre Teilnahme im kommenden Jahr.
Die kurze Vorbereitungszeit der Messe von nur knapp fünf Monaten und die Tatsache, daß es das erste Mal war, ein solches Projekt aus dem Nichts zu erschaffen, hat folgerichtig zu einigen Kritikpunkten, die ich Kinderkrankheiten nennen möchte geführt. Wir haben nun einige Zeit, um diese Kinderkrankheiten zu heilen. Die gute Nachricht ist: die Krankheiten sind bekannt und Kinderkrankheiten wiederholen sich sehr selten, wenn sie ersteinmal überwunden sind.
Um auch ein Verhältnis zu den bisher nun das dritte Jahr nicht mehr stattgefundenen Messeveranstaltungen herzustellen ein paar Zahlen:
Wir waren mit mir zusammen 50 Aussteller. Davon stammen über 80% nicht aus Berlin. Es waren auf Anhieb, trotz der unbekannten Location, 50% mehr Besucher als auf der Amsterdamer Verbandsmesse 8 Wochen zuvor. Die Auswertung unseres Fragebogens am Ende der Veranstaltung hat eine überwältigende Zustimmung von 95%  für eine Wiederholung der Bücherlust im kommenden Jahr ergeben. Über die zu korrigierenden Fehler besteht in den Fragebögen nahezu Einhelligkeit. Gut, wenn man Profis befragen kann. Das macht die Korrektur um so leichter.
Der andere Ansatz unserer Bücherlust, nämlich einen Ort für die Debatte branchenspezifischer Schwierigkeiten zu schaffen, hat Früchte getragen. In entspannter und kollegialer Atmosphäre konnten wir in Richtung auf Leipzig erste Schritte einleiten. Mal sehen, wohin das führen kann. Knapp die Hälfte der befragten Aussteller können sich eine neue Leipziger Antiquariatsmesse gut vorstellen. Wiederum die Hälfte davon koppelt die Teilnahme in Leipzig an die Einrichtung der Büchermeile. Dies ist als Erhebung ein gutes Ergebnis. Wenn es auch bei Weitem nicht für eine belastbare Ausstellerzahl für eine Antiquariatsmesse in Leipzig ausreicht, so ist doch ein guter Anfang gemacht, denn es haben sich aktive Gruppen gebildet, die an den Problemen und der Herstellung eines Leipzigkonzepts arbeiten wollen.
Unabhängig davon plane ich die Bücherlust am gleichen Ort im nächsten Jahr zu wiederholen. Ich bin von der Idee, einer für uns alle leicht zu bespielenden Messeveranstaltung, überzeugt und glaube, daß eine solche Messe uns gut tut unser Handwerk in die Öffentlichkeit zu tragen. Ich verspreche Euch, die Kinderkrankheiten, die Ihr alle gleich benannt habt, zu beheben und einige der begonnen neuen Pfade in der digitalen Welt auszubauen. Die Messe soll bunter und vielseitiger werden. Dadurch wird Sie hoffentlich auch wachsen. Bei alledem benötige ich auch weiterhin Eure Unterstützung. Ihr macht die Messe aus. Ihr habt mit Eurer Bereitschaft und Eurem Aufwand ein kleines Wunder geschafft. Die Bücherlust ist eine neue Messe in Europa.
Vielen Dank für Euer Vertrauen
Christoph Neumann







Widmungsblatt

In Memoriam Nevine Marchiset und Detlef Thursch

Stiftung von zwei freien Gemeinschaftsständen für jeweils vier internationale Aussteller zur Bücherlust Karlshorst Berlin: Zwei Grundmodule teilen sich eine Vitrine. Also je Gemeinschaftsstand 4 Tische und 2 Vitrinen. Anmeldung erbeten. Ist die Zahl der Bewerber größer, wird gelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Jeder kann einen jeden, der die Bücher liebt, vorschlagen. Ältere erfahrene Händler können jüngere vorschlagen und unterstützen. Die Jüngeren können die älteren mitnehmen. Unterschiedliche nationale Herkunft und Verbandszugehörigkeit spielt keine Rolle. Auch kann ein jeder, der vom alten und schönen Buch lebt, sich selbst vorschlagen. Ladet einen Freund aus dem Ausland ein, den ihr lange nicht gesehen habt.
Bei allen Neuerungen und in Zeiten des Wandels fragt man sich gern, auf wessen Füßen man steht und wo man herkommt. Dabei geht es um die besonderen Menschen, die uns den Weg geebnet haben und uns in schwersten Momenten beigestanden haben. Leider können sie uns nicht für immer begleiten. Aber wir können in unserem Tun ihr Andenken bewahren.
Nevine Marchiset war so ein Mensch für mich. Sie hat mich gerettet. Sie hat mich, im wahrsten Sinne des Wortes, aus dem Gefängnis befreit. Ohne jedes Zögern und ohne Rücksicht auf persönliche Konsequenzen. Auf dem Weg zur internationalen Antiquariatsmesse in London bin ich vom französischen Zoll in Calais verhaftet worden und in eine Gefängniszelle einer Zollstation im Landesinneren verbracht worden. An Bord meines Transporters waren 5 Messestände für die Ilab-Messe in London am nächsten Tag! Nevine hat sofort ihren Mann Alain in Paris angerufen, um dort alle Hebel in Bewegung zu setzen, damit ich frei nach London gelange. Ohne ihr beherztes Eingreifen und das Bemühen Ihres Ehemannes wäre ich wohl in der Gefängniszelle vergessen worden. In London angekommen, hat Sie sich hervorragend um mich gekümmert. Mit Humor und Empathie war sie auch für alle anderen Aussteller und Freunde da. Ich war im 21. Jahrhundert in der Mitte der europäischen Union am Boden zerstört. Durch Nevine habe ich dann aber auch im nächsten Jahr London wieder als Aussteller besucht. Ohne Sie hätte ich wohl nie mehr weitere Schritte im Antiquariatsgeschäft unternommen. Ihre Hingabe zur Gemeinschaft der Antiquare, ihre Anteilnahme hat mich weiterarbeiten lassen. Daher möchte ich ihrem Andenken die freien Gemeinschaftsstände auf unserer neuen Messe widmen.
Genau solch ein besonderer Mensch war Detlef Thursch für mich. Über fast zwei Jahrzehnte habe ich alle Veranstaltungen, die ihm einfielen, als Aussteller und Freund besucht. Unsere späteren verschiedenen Ansichten haben unsere Freundschaft nicht belastet. Ohne Detlef hätte ich die Welt der antiquarischen Bücher nicht erfahren. Seine Messen haben mir die Bücher und die Gemeinschaft der Antiquare gezeigt. Die freien Gemeinschaftsstände sind seiner Arbeit und seinem Vorbild geschuldet und auch ihm gewidmet. Ich danke ihm sehr.

Ich hoffe, dass alle Freunde und Kollegen mit der Einrichtung der freien Gemeinschaftsstände im Gedenken an Nevine Marchiset und Detlef Thursch einverstanden sind und sich, wie ich, daran erfreuen.

Euer Christoph

In Memoriam Nevine Marchiset und Detlef Thursch

Foto: Philippe Marchiset Paris

Foto: Ursula Saile-Haedicke Braunschweig

 



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Antiquariatsmesse Karlshorst

Wir werden die Website Woche für Woche weiter aktualisieren. Eure Fragen sind herzlich willkommen. Schreibt mir gern eine E-Mail.
Grüße aus Berlin
Christoph Neumann


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